“Brexit: Mail Art from a Small Island” ist eine Ausstellung über eine internationale politische Krise. Allgemein angenommener Beginn dieser Krise ist die Volksabstimmung im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland am 23.6.2016, bei der etwas mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung für einen Austritt des UK aus der EU stimmten. Die Ausstellung eröffnet am 23.6.2019, auf den Tag genau drei Jahre nach dem dem Referendum.

Wie der Brexit, der Ausstieg aus der EU, aussehen wird, was er für Konsequenzen für die beteiligten Länder haben wird, das weiß niemand. Aktuell wird nach diversen Austrittsverhandlungen und möglichen Terminen Halloween 2019 als Brexit-Datum gehandelt. Die drei letzten Jahre nach dem Referendum haben das UK in eine tiefe politische Krise gestürzt, auf Grund derer nach zahlreichen Ministern zuletzt auch die Premierministerin Theresa May ihren Rücktritt zum 7. Juni erklärt hat. Das Resultat der Abstimmung, die der damalige Premierminister David Cameron als einfachen Volksentscheid ermöglicht hatte, und die weiteren Diskussionen über das Ergebnis hat nicht nur das Vereinigte Königreich tief gespalten, sondern auch weltweit für tiefe Verunsicherung gesorgt. Allgemein steht längst fest, dass die Bevölkerung vor der Abstimmung völlig unzureichend informiert war, stellenweise von hochrangigen Politikern belogen wurde und das in der emotional gesteuerten Debatte gerade die jüngeren Generationen gegenüber der Nostalgie und Realitätsferne älterer Wähler ins Hintertreffen geraten sind.

Die Ausstellung „Brexit: Mail Art from a Small Island“ thematisiert die zweifelhafte Idee der Runderneuerung von Grenzen in Europa, deren Sinnhaftigkeit hier in Abrede gestellt wird, in dem der Austausch zwischen Nationen als Wert an sich am Beispiel von Künstler*innen betont, der freie Verkehr von Personen und Gütern herausgestellt wird, und die drohenden künftigen Hürden negiert werden. Mit einer dem Fluxus entlehnten Geste wird die Kunst zur Ausstellung aus dem Königreich nach Düsseldorf geschickt und die Künstler*innen reisen selbst zur Eröffnung an. Grenzen werden ignoriert und Zusammenhalt gefeiert. Das Streben nach Kunst ist immer auch gesellschaftlicher Brückenbau und ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung all der Spalter*innen, die sich dank medialer Flüstertüten à la Twitter mehr austoben dürfen, als Gemeinsamkeit ertragen kann. „Freedom of Speech“ ist ein hohes Gut, das allerdings niemand von Wahrheitspflicht und Fakten entbindet.

 

Simone Nieweg und Laurenz Berges “Real Places” 6.3.-23.5.19

Finissage am 23.5.19 von 18 - 20 Uhr



sipgate shows freut sich zum Duesseldorf Photo Weekend 2019 „Real Places“, eine Ausstellung
 mit Werken der beiden Düsseldorfer Künstler Simone Nieweg (1962 geboren in Bielefeld) und
 Laurenz Berges (1966 geboren in Cloppenburg), zu zeigen.

 In einer Zeit, in der die Digitalisierung der Welt einen Tsunami an fotografischen Material beschert,
nimmt das Sprechen in Bildern stellenweise groteske Züge an. Der Alltag wird zum unreflektierten
 Schnappschuss von Mahlzeit, Shopping und Selfie.
 Um so mehr lohnt sich der Blick auf die Werke von Simone Nieweg und Laurenz Berges, zwei
 Künstler, die seit ihrem Studium bei Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie
über ein ganz eigenes Verständnis von Zeit, Ort und Bild verfügen.
 Beide arbeiten mit analogen Mitteln, es entsteht großformatige Farbfotografie als Papierabzug.


Die Motivwelt der Künstler ist an der Schwelle angesiedelt, wo Mensch auf Natur trifft. Berges
sucht in seinem Werk immer wieder Unorte, aufgrund von Industrialisierung und gesellschaftlicher
Veränderung verlassene Architektur. Nieweg entdeckt Natur wieder. Was entfernt schien, sich
beiläufigen Blicken entzieht durch Abgrenzung oder Witterung, wird von ihr nahegebracht und
 steht im Mittelpunkt. Für beide gilt, dass sie sich intensiv Motive erarbeiten, die Gegend
erkunden, den Blick neu richten. Unfassbar viel gibt es im Abseits zu entdecken. Niewegs Sicht 
auf eine Baumreihe findet bei Berges ein fotografisches Echo im floralen Muster einer alten 
Casino-Sitzbank.

 Bei sipgate shows werden diese fotografischen Werke in einem Ladelokal gezeigt, welches zuletzt
 von einer Makeup-Schule genutzt wurde. Auf den unverputzten Wänden finden sich Bohrlöcher,
 Spuren und Farbspritzer zahlreicher Vormieter. Es sind Wände mit Geschichte, die nun einen
 willkommenen Hintergrund bilden für vollendete Bilder von „Real Places“.
Es sei jedem verziehen, der meint, Kunst sei das bessere Leben.

Öffnungszeiten:

Donnerstags 15 - 19 Uhr

Gladbacher Str. 46

40219 Düsseldorf

sipgate shows: Die Achse des Guten - Zeichnungen

4.10.18 - 2.11.18

Mit: Derrick Alexis Coard, Jörg Immendorff, Carol Rhodes, Lin May Saeed, David Shrigley, Calum Stirling, Ally Wallace

Künstler*innen sind eigentlich Schafthirten a.D. Das könnte man jedenfalls glauben, wenn man frühe Künstlerbiographien liest wie die, die Giorgio Vasari während der Renaissance zusammentrug. Dass es sich dabei eigentlich um eine Legende handelte, die zur tatsächlichen Lebensgeschichte vieler erfolgreicher Künstler dazu gedichtet wurden, das stellten die Ernst Kris und Otto Kurz in ihrem 1934 erschienen Werk „Die Legende vom Künstler“ (suhrkamp) erstmals wissenschaftlich heraus. Diese Geschichten folgen einem Muster: Ein Knabe hütet Schafe und zeichnet währenddessen mit einem Stöckchen im Sand. Wie der Zufall es so will, kommt gerade ein etablierter Künstler vorbei, erkennt das zeichnerische Talent des jungen Hirten und bringt diesen „ganz groß raus“. Oft größer, als er es selber ist, der Schüler überflügelt den Lehrer. Wenngleich es sich hierbei also um Legenden handelt, die sich keinesfalls so zugetragen haben, so bleibt außer einer netten Geschichte auch das Phänomen der Zeichnung als unmittelbare künstlerische Äußerung, die bereits auf das große Talent schließen lässt. Jemand zeichnet und wird auf diese Weise als Künstler erkannt.

In der bildenden Kunst ist Zeichnen ein sehr weites Feld, in dem Vieles gleichzeitig bestellt wird.Künstler zeichnen, um Ideen zu skizzieren, um auszuprobieren, um Sichtbares sich selbst verständlich zu machen oder um eine Zeichnung als Werk an sich hervorzubringen. Das Mannigfaltige der Zeichnung ist das Thema der Ausstellung „Die Achse des Guten“. Am Beispiel einer Auswahl von Werken lässt sich hier nachzuvollziehen, wie unterschiedlich die Zeichnung verstanden wird. Derrick Alexis Coard zeichnet bei seinen bärtigen Männern imaginäre Selbstportraits, Carol Rhodes hingegen entwirft auf transparentem Papier Kompositionen für ihrer topografischen Malereien, und Jörg Immendorff zeichnet während seines Urlaubs im Hotelzimmer die Blätter voll mit Entwürfen für seine Skulptur „Elbquelle“, bevor er sich nach der Mittagspause wieder an den Strand begibt. Wer sich David Shrigleys Pinselzeichnung ansieht, auf der ein grünlich schimmerndes Tier zu sehen ist, das sich der anbei gestellten Beschreibung „I saw a Fox“ hartnäckig widersetzt, der kann vermuten, dass Shrigley während der Renaissance nicht ohne Weiteres von Cimabue unter dessen Fittiche genommen worden wäre. Calum Stirling wiederum denkt in Richtung Zukunft und lässt eine Maschine Selbstportraits zeichnen. Fleissig kommt da ein Roboter seiner gestellten Aufgabe nach, und der unbewusste weil maschinelle Narzissmus lässt ihn dabei menschliche Züge tragen. Auch für Lin May Saeed ist die Zeichnung von zentraler Bedeutung für ihre Skulpturen und Reliefs. Besonders deutlich wird das in ihren metallenen Toren, die eine lineare Zeichnung durch Biegen und Schmieden in eine beeindruckende Permanenz überführen. Ally Wallace macht es da eher wie die Hirten aus den Geschichten und rückt wahlweise einem modernen Hochschulgebäude aus dem 1967, einem Art Deco Kraftwerk oder einem schottisch-italienischen Café mit Tuschepinsel und Aquarellkasten zu Leibe, um anschließend in kleinen Büchern voller Skizzen anderen von dem zu erzählen, was er gesehen hat, was ihn daran begeistert hat. Wie jedes Kunstwerk sind auch Zeichnungen Zuspitzungen. Die Künstler wählen aus. Zu sehen gibt es nur, was ihnen wichtig schien.

Psychopts Christopher Wool & Richard Hell

14.4.18 -15.6.18

Zur Nacht der Museen 2018 zeigt sipgate shows “Psychopts”, einen neunteiligen Grafik-Zyklus von Christopher Wool und Richard Hell. 2008 enstanden als Gemeinschaftsarbeit zwischen dem amerikanischen Maler Wool und dem Altpunk und Dichter Richard Hell, handelt es sich bei den Bildern um gesiebdruckte Wortpaare, die in ihrer Lesart mehrdeutig sind.
Die Zeichen sind im Druck versetzt übereinandergelegt, der Betrachter befindet sich zwischen Onomatopoesie und Asso- ziationsspiel und muß die Lesart des Siebdrucks selbst bestimmen. Beispielsweise stehen in einem Bild “Fact” und “Fart” scheinbar gleichberechtigt nebeneinander, eine Art Rorchachtest mit Wörtern, deren Bedeutung aufblitzt wie freudsche Versprecher.
Wer erinnert sich nicht an den Englischunterricht in der siebten Klasse, damals, als der Mitschüler beim lauten Vorlesen auf die “Sexcretary” traf?
Willkommen zur poetischen Partizipation.

Christopher Wool/ Richard Hell
„Psychopts“, 2008 Siebdruck, neunteilig, edition 5/21 69,22 cm x 55,88 cm, gerahmt, Sammlung sipgate, Düsseldorf

 

Duesseldorf Photo 2018  sipgate shows: Das Zeitalter im Kunstwerk seiner technischen Reduzierbarkeit

Duesseldorf Photo 2018

sipgate shows: Das Zeitalter im Kunstwerk seiner technischen Reduzierbarkeit

Thomas Struth und Andreas Gefeller

Thomas Struth und Andreas Gefeller

Wolfgang Tillmans

Wolfgang Tillmans

Jan Paul Evers

Jan Paul Evers

Andreas Gefeller und Annette Kelm

Andreas Gefeller und Annette Kelm

Annette Kelm

Annette Kelm

Das Zeitalter im Kunstwerk seiner technischen Reduzierbarkeit

mit Arbeiten von Wolfgang Tillmans, Annette Kelm, Thomas Struth, Jan Paul Evers und Andreas Gefeller

16.2.18 - 16.3.18

Die Fotografie hat in ihrer fast 200 Jahre währenden Geschichte immer wieder erstaunliche Wendungen getan und wurde spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer weiteren Sprache der bildenden Kunst. Heutzutage ist sie so allgegenwärtig, dass jeder der Mensch, der ein aktuelles Mobiltelefon besitzt, höchstwahrscheinlich auch zum Fotograf wird. In gewisser Weise ist diese exzeptionelle Entwicklung vor allem der Digitalisierung zu verdanken, die das Unmittelbare der Abbildung und der Veröffentlichung, aber auch der Speicherung erst ermöglicht hat.
So übersteigt die Menge der fotografischen Bilder aus den letzten Jahren bei weitem alles, was in den 180 Jahren davor an Fotos entstanden ist (Schätzungen für das Jahr 2017 liegen bei 1,2 Billion gemachten Fotos). In gewisser Weise lässt sich diese Entwicklung als Demokratisierung eines Mediums verstehen, doch hat das fotografische Bild gleichzeitig auch große Einschränkungen erfahren, was Format und Präsentation angeht. So sind die meisten aller Bilder dieser Tage digitale Jpegs und in erster Linie online sichtbar. Im Bereich der bildenden Kunst wird die Fotografie jedoch nach wie vor in Räumen gezeigt, in Galerien, Projekträumen, Museen und Büchern. Sie bekommt ein individuelles Format, eine physische Präsenz, sie ist nicht nur im Bildschirmformat des Smartphones erfahrbar, sondern lässt sich abschreiten, von der Seite anschauen, im Spiegel betrachten mit Rahmen versehen und kontextualisieren.
Bei sipgate shows zeigen wir aus Anlass der Duesseldorf Photo eine Auswahl an Arbeiten renommierter künstlerischer Positionen, in der sich beispielhaft das facettenreiche Potential des Mediums Fotografie spiegelt: Digital und analog, vom schwarz-weißen Silbergelatine-Abzug von Thomas Struth über fotografierte Stilleben von Annette Kelm, einem Fotogramm Jan Paul Evers und überbelichteten Nachtaufnahmen von Andreas Gefeller bis hin zu Farblaserkopien von Wolfgang Tillmans.
Neben ihrer Omnipräsenz im Alltag ist die Fotografie tatsächlich manchmal immer noch ein „Malen mit Licht“.







“Brexit: Mail Art from a Small Island” ist eine Ausstellung über eine internationale politische Krise. Allgemein angenommener Beginn dieser Krise ist die Volksabstimmung im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland am 23.6.2016, bei der etwas mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung für einen Austritt des UK aus der EU stimmten. Die Ausstellung eröffnet am 23.6.2019, auf den Tag genau drei Jahre nach dem dem Referendum.

Wie der Brexit, der Ausstieg aus der EU, aussehen wird, was er für Konsequenzen für die beteiligten Länder haben wird, das weiß niemand. Aktuell wird nach diversen Austrittsverhandlungen und möglichen Terminen Halloween 2019 als Brexit-Datum gehandelt. Die drei letzten Jahre nach dem Referendum haben das UK in eine tiefe politische Krise gestürzt, auf Grund derer nach zahlreichen Ministern zuletzt auch die Premierministerin Theresa May ihren Rücktritt zum 7. Juni erklärt hat. Das Resultat der Abstimmung, die der damalige Premierminister David Cameron als einfachen Volksentscheid ermöglicht hatte, und die weiteren Diskussionen über das Ergebnis hat nicht nur das Vereinigte Königreich tief gespalten, sondern auch weltweit für tiefe Verunsicherung gesorgt. Allgemein steht längst fest, dass die Bevölkerung vor der Abstimmung völlig unzureichend informiert war, stellenweise von hochrangigen Politikern belogen wurde und das in der emotional gesteuerten Debatte gerade die jüngeren Generationen gegenüber der Nostalgie und Realitätsferne älterer Wähler ins Hintertreffen geraten sind.

Die Ausstellung „Brexit: Mail Art from a Small Island“ thematisiert die zweifelhafte Idee der Runderneuerung von Grenzen in Europa, deren Sinnhaftigkeit hier in Abrede gestellt wird, in dem der Austausch zwischen Nationen als Wert an sich am Beispiel von Künstler*innen betont, der freie Verkehr von Personen und Gütern herausgestellt wird, und die drohenden künftigen Hürden negiert werden. Mit einer dem Fluxus entlehnten Geste wird die Kunst zur Ausstellung aus dem Königreich nach Düsseldorf geschickt und die Künstler*innen reisen selbst zur Eröffnung an. Grenzen werden ignoriert und Zusammenhalt gefeiert. Das Streben nach Kunst ist immer auch gesellschaftlicher Brückenbau und ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung all der Spalter*innen, die sich dank medialer Flüstertüten à la Twitter mehr austoben dürfen, als Gemeinsamkeit ertragen kann. „Freedom of Speech“ ist ein hohes Gut, das allerdings niemand von Wahrheitspflicht und Fakten entbindet.